Twitterwall missbraucht: Flashmob auf der Cebit

Katharina Simon Yvonne Koletzki —  4. März 2010 — 28 Comments

Twitterwalls fassen normalerweise zusammen, was momentan zu einem Thema (meist einer Veranstaltung) getwittert wird. Heute wurde sie Auslöser eines Flashmobs auf der Cebit.

Die ABAS Software AG hat es eigentlich nur gut gemeint. Über die Twitterwall, die auf der Webciety auf der Cebit steht, sollte auf den Stand der ABAS hingewiesen werden. Es kamen also geschätzt alle paar Minuten während eines Panels zum Thema Politik 2.0 Tweets von der ABAS über die Twitterwall mit immer dem gleichen Inhalt: einem Hinweis auf ihren Stand in Halle 5. Im Publikum vor der Twitterwall sind aber wesentlich mehr Blogger und Social Media-Affine als ERP-Einkäufer. Und die Webcietybesucher fühlten sich irgendwann gestört durch die Penetration per Twitter zu einem Thema, das sie nicht interessiert.

Das “Spamming” der Twitterwall endet mit einem Aufruf zum Flahsmob auf dem Stand der ABAS, der, zumindest in der Webciety, auch für eine gewisse Erheiterung sorgt. Die Flashmob-Teilnehmer nutzten das reichliche Kaffee- und Kugelschreiberangebot am Stand; Kunden hat die ABAS dabei wohl nicht gewonnen.

Auf dem Stand der ABAS finden wir neben dem Flashmob auch James David Jamaleldine, International Marketing Manager bei der ABAS. Uns interessiert vor allem, wie die ABAS ihre Twitteraktivitäten bewertet. Für Jamaleldine ist die Twitterwall ein modernes Plakat, das man mit seinen Nachrichten bespielen und als kostenlose Werbefläche nutzen kann. Potentielle Kunden sollen so im Vorbeigehen auf die Präsenz der Firma auf der Cebit aufmerksam gemacht werden.

Der Twitteraccount der ABAS kommt auf der Cebit zum ersten Mal für ein großes Event zum Einsatz. Neben Twitter wird Facebook genutzt, laut Herrn Jamaleldine als Möglichkeit, Newsletter und Informationen zu ABAS-Produkten zu pushen. Soweit wir verstanden haben, erfolgt bisher nur begrenzt Interaktion oder ein Dialog über Twitter oder Facebook.

Durch die Hau-Ruck-Aktion der ABAS kommt das eigentliche Diskussionsthema bei den Zuschauern fast zu kurz: Politik, Demokratie und das Web 2.0.
Die Teilnehmer sind hochkarätig und in einschlägigen Kreisen wohlbekannt. Neben Markus Beckedahl (Geschäftsführer und Blogger “netzpolitik.org”, newthinking store), sind u.a. Anke Domscheit (Initiatorin Gov20 Barcamp & Director Government Relations, Microsoft) und Valentina Kerst (Business Development, eco – Verband der deutschen Internetwirtschaft e.V.) vertreten.

In der Diskussion geht es in der Substanz um die Themen, welche auch die Verantwortlichen in Unternehmen umtreiben: Tranzparenz, Informationshoheit und deren Verlust sowie die Kommunikation mit der Außenwelt.
Dabei ist der politische Bereich eventuell noch stärker als Unternehmen durch alte, überholte(?) Regeln und ein streng hierarchisches Machtdenken geprägt. Es gibt nur sehr eingeschränkt den Wunsch nach Transparenz und Dialog. Die One-to-many-Kommunikation ist sowohl im politischen als auch im betrieblichen Umfeld überholt. Bürger und Wähler fordern nicht über getroffene Entscheidungen informiert zu werden, sie möchten auch jenseits von Wahlen in Entscheidungen involviert werden. Dies zeigen viele inzwischen erfolgreiche Portale zur Bürgerpartipation. Genauso wollen Kunden oder Twitterer mit ihrer Meinung wahrgenommen werden. ABAS wurde heute mit einem Flashmob konfrontiert, weil dort keiner den Twitterern in der Webciety “zugehört” hat. Bevor die Twitterer zum Flashmob aufgerufen haben, haben sie ihre Meinung zum ABAS Twitter-Marketing eindeutig kund getan.

Katharina Simon Yvonne Koletzki

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28 responses zu Twitterwall missbraucht: Flashmob auf der Cebit

  1. Schön, wenn man sich durch “Spam” das eigene Brand “verbrennt”.

    Modernes Plakat. Spannende Idee, ist abzuleiten dass das in die Hose geht. Zielgruppe nicht verstanden. Danke für den Flashmob auch wenn ich leider nicht vor Ort war.

  2. Folkert Groeneveld 5. März 2010 at 11:48

    Ob das Branding bei solchen Aktionen verbrannt wird, wird sich erst später zeigen. Spam ist zwar nervig, doch wenn über eine Firma nach dem Spam gesprochen wird, wird sie bekannter – leider.

  3. Zumindest der Flashmob war authentisch. *g*

    Was ich immer sage: Solche kruden und übergestülpten Aktionen mit der groben Kelle werden sofort bestraft. Sic!

  4. Schon wieder hat Twitter mir einiges an Mühe gespart, denn oben geschriebenes Beispiel ist genau das, was ich gesucht habe, um was über Social Communication zu schreiben ;o} Dankeschön, noch deutlicher kann man nicht vor der Einweg Kommunikation des klassischen Marketings warnen… ABAS setzen 6!

  5. Das “Negative” wird schnell vergessen, der Name bleibt hängen. Bessere Werbung als einen Flashmob über den hier jetzt diskutiert wird kann man doch fast nicht machen. ICh kannte ABAS vorher nicht…

  6. Das Problem war, dass nicht “alle paar Minuten” ein Tweet kam, sondern zur Höchtform ca. alle 19 Sekunden.
    So das auf der Wall nur Tweets von ABAS und tweets gegen ABAS zu lesen waren.

  7. Schön gemacht und richtig so. Fast schon selbstreferenziell. Wer spammt, kriegt die Strafe dafür, und wenn ich mir den Namen ABAS jetzt merke, dann nur mit der Assoziation: nichts verstanden.

  8. @Folkert
    Ja “verbrannt” ist vielleicht zu hoch gegriffen, keine Frage. Hurra, es wird über die Firma gesprochen – nur bring ich die Firma mit “Spam” in Verbindung. Kleinvieh macht eben auch Mist :-)

  9. Nun stellt Euch mal vor, das macht einer der gar nichts mit ABAS zu tun hat. :-)

    Mich hat das Thema erheitert. Erleben möcht ich es aber lieber nicht. Aber PR wars definitiv. Unbezahlbar!

    Grüße nach Hannover! Viel Erfolg!

  10. Jau, war äääähhhh spannend, wenn auch leider durch Kurzfristigkeit relativ schlecht “besucht”.

  11. So “reichlich” war das Angebot an Kugelschreibern und Getränken nun auch nicht. Die magere Ausbeute waren 3 Kugelschreiber, die wir netterweise dann doch am Stand gelassen haben, damit die die ERP-Consultants doch noch was zum Schreiben haben.

    Das Getränkeangebot reichte lediglich von Kaffee bis Wasser, kein Latte und Milchkaffee. ;-)

  12. Hausaufgaben machen. Was über Spam lesen und so. Großartig.

  13. Katharina Simon 9. März 2010 at 12:05

    Ob das nun gute, schlechte oder gar keine PR für die Firma ist, wird die Zukunft zeigen. Mir persönlich gefallen solche Aktionen wie die meines Kollegen besser: http://ow.ly/1pWR8m. Schöner Effekt ganz ohne Spam.

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Trackbacks und Pingbacks:

  1. Unterwegs auf der CeBIT - 5. März 2010

    [...] wir haben aber wenigstens Kaffee für umme  Einen schönen Beitrag dazu findet ihr bei Besser 2.0. Wenn du hier neu bist, dann abonniere am besten den RSS-Feed um auf dem Laufenden zu bleiben. [...]

  2. MARCO | RASP - 5. März 2010

    CeBIT 2010…

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  3. Qype, Kritik und Flashmob auf der Webciety: Weekender KW 09 - ethority weblog - 5. März 2010

    [...] Die Geschichte dazu gibt es auf http://www.besser20.de [...]

  4. links for 2010-03-06 « Das Textdepot - 6. März 2010

    [...] Twitterwall missbraucht: Flashmob auf der Cebit | Besser 2.0 Was für eine dumme Idee: Ein CeBIT-Aussteller spamt eine Twitter-Wall, um Besucher auf seinen Stand zu bekommen. Nun gut, Besucher kamen. Und Aufmerksamkeit gab's auch. (tags: twitter fail) [...]

  5. Government 2.0 Netzwerk Deutschland » Blog Archive » CeBIT: Politik, Demokratie und das Web 2.0 - 7. März 2010

    [...] hier noch ein Fundstück zum Flashmob, der während unseres Panels stattgefunden hat: Twitterwall missbraucht: Flashmob auf der Cebit. Sachen [...]

  6. Auswirkungen unerwünschter Werbung auf Twitterwalls. - 9. März 2010

    [...] vom Besser 2.0 Blog von T-Systems war eine Mitarbeiterin vor Ort die die Aktion filmte. Das eigentliche Ziel des [...]

  7. The Backchannel – Buch & Blog zu Twitter als Konferenzmedium » Infobib - 26. April 2010

    [...] wird übrigens hoffentlich ein Randphänomen bleiben. Auf der Webciety während der Cebit hat man gesehen, dass man sich damit als Marke keinen Gefallen [...]

  8. Kai Wels | Online-Marketing & Social Media Consultant » CeBIT 2010: Ein Abgesang? - 29. Mai 2011

    [...] Eigenorganisation der Nutzer, als Antwort auf Spamming von Plattformen wie Twitterwalls, kurzerhand ein Flashmob über das gleiche Medium organisiert wird. In jedem Fall hat Apple den Zahn der Zeit erkannt, denn übergroße Touchscreens im iPad-Stil [...]

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